Stevia rebaudiana („Süßkraut“, auch „Honigkraut“)

seit 2.12.2011 in der EU als Lebensmittel zugelassen (siehe unten)

Stevia

Stevia, das Erzeugnis der Pflanze ist ein natürlicher Süßstoff. Es besteht hauptsächlich aus dem Diterpenglykosid Steviosid. Es hat die bis zu 300-fache Süßkraft von Zucker, ist nicht kariogen und ist für Diabetiker geeignet. Steviosid ist der wichtigste Inhaltsstoff der Steviablätter und für deren süßen Geschmack verantwortlich.
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Steviablätter werden seit über 500 Jahren von der indigenen Bevölkerung Paraguays und Brasiliens bei der Zubereitung von Speisen und Getränken und als Heilpflanze verwendet. Die Guaraní-Indianer nennen es ka'a he'ê (Süßkraut).

Stevia wird zurzeit in vielen Teilen Süd- und Zentralamerikas, Israels, Thailands und der Volksrepublik China zur Süßstoffgewinnung angebaut und verwendet. Auch in Japan und seit Oktober 2008 in Neuseeland und Australien ist Stevia zugelassen. In der Schweiz wurde im August 2008 durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) nach acht Monaten Bearbeitungszeit einem Einzelantrag zugestimmt, wonach nun in der Schweiz der Energie-Drink der Firma Storms mit Stevia gesüßt verkauft wird. Ende April 2009 kündigte das größte Schweizer Einzelhandelsunternehmen Migros an, ab sofort Getränke der Marke Sarasay zu verkaufen, die ausschließlich mit Stevia gesüßt sind. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist Stevia als Nahrungsergänzung seit 1995 wieder erlaubt. Nach Europa wurden seit 1986 zahlreiche Tonnen von Steviablättern und Steviol-Glykoside importiert und dort konsumiert. Trotzdem gilt es seit 1997 als Novel-Food und wurde 2001 auf Grund fehlender wissenschaftlicher Informationen zur gesundheitlichen Unbedenklichkeit als Lebensmittel vom Markt genommen.

Die Europäer lernten Stevia im 16. Jahrhundert kennen, als die Konquistadoren darüber berichteten, dass die südamerikanischen indigene Bevölkerung die Blätter einer Pflanze benutzten, um Kräutertee zu süßen. Auch heute werden die Blätter in Südamerika häufig verwendet. Ebenso werden die pulverisierten Blätter verwendet, wobei ein Viertel Teelöffel reiche, um eine Tasse zu süßen. Neben extrahiertem Pulver werden auch Tabletten, Kapseln, wässrige oder alkoholische Lösungen verwendet.

Europäische Union

In der EU wurde Stevia als erste Pflanze der Novel-Food-Verordnung unterstellt, nachdem auch ein Zulassungsantrag aus Belgien scheiterte. Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU-Kommission, der über die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Stevia befinden sollte, kam zu der Schlussfolgerung, dass „die Pflanze, wie auch Auszüge daraus, auf Grundlage der wenigen augenblicklich verfügbaren Daten“ als Lebensmittel nicht zulassungsfähig sei und daher nicht als Lebensmittel in Verkehr gebracht werden dürfe.

Dennoch war es auch ohne Zulassung möglich, in diversen Reformhäusern oder Apotheken Stevia als Badezusatz zu erwerben. Es unterliegt demnach der Kosmetikverordnung. Jedoch wurde Stevia auch in Form von Süßstoffspendern neben vergleichbaren Produkten im Einzelhandel angeboten und auch ohne eindeutige Verkehrsbezeichnung deklariert. Verbraucherschützer hielten dies für Irreführende Werbung.

1998 bis 2002 finanzierte die EU ein Forschungsprojekt, mit dem der Anbau von Stevia rebaudiana bertoni in Griechenland, Italien, Portugal und Spanien optimiert werden sollte. Ziel ist es, die Subventionierung für den Tabakanbau auf gesundheitlich günstigere Pflanzen umzustellen.

Im April 2011 urteilte der Europäische Gerichtshof, dass getrocknete Stevia-Blätter in Teemischungen enthalten sein dürfen. Nachdem auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof München (BayVGH) dies zuließ,können entsprechende Teemischungen in Deutschland gehandelt werden. Der deutsche Süßstoffverband sieht der Einführung „erwartungsvoll entgegen“. Das Marktpotential könnte in den USA 700 Millionen Dollar erreichen, entsprechend hoch sind die Erwartungen für den europäischen Markt.

Im November 2011 hat die EU-Kommission die Verarbeitung des natürlichen Stevia-Süßstoffs Steviolglycosid in Lebensmitteln und Getränken erlaubt. Die Verordnung trat am 2. Dezember 2011 in Kraft.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Stevia_(Süßstoff)

Presseberichte:

 
  www.gesundheit.gv.at: EU-Zulassung für Stevia-Süßstoff
 
 
 
  Kleine Zeitung: Neuer Süßstoff soll die Lebensmittelindustrie revolutionieren
 
 
pdf Salzburger Nachrichten: Was bringt der neue Süßstoff für die Gesundheit
  Konsument: Stevia - Süßes Kraut
pdf NÖ Nachrichten: Süßes Kraut im Vormarsch
  Der Standard: Süßkraut statt Zucker
kamera Pro7 Galileo: Die Stevia-Pflanze